Angst beim Reiten überwinden


Verfasst von : mindfulhorse Academy

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Wie kann ich meine Angst beim Reiten überwinden?

Wie und wo entsteht das Angstgefühl und was kann ich dagegen tun?

Marie hat Angst, und das schon länger. Nur spricht sie mit niemanden darüber.

Ein mulmiges Gefühl begleitet sie jedes Mal, wenn sie im Sattel sitzt. Mittlerweile hat sich die Angst vorm Reiten auf eine generelle Angst vorm eigenen Pferd ausgeweitet. 

Vor dem Reitunfall vor zwei Jahren war Angst für Marie kein Thema. Sie erlebte auch früher ab und zu einen Sturz vom Pferd, aber sie hatte sich dabei nie verletzt. 

Bis vor zwei Jahren, als sie während eines Ausrittes nach einem vorbeidonnernden LKW die Kontrolle über ihr Pferd verlor, und es mit ihr im gestreckten Galopp über einen rutschigen Wiesenweg preschte. In einer Kurve rutschte ihr Pferd aus, und sie kamen zu Sturz. Marie zog sich Prellungen zu, das Pferd blieb zum Glück unverletzt.  

Die Prellungen waren nach wenigen Wochen verheilt, aber eines blieb: die Angst vorm Reiten!

Maria mit ihrem Pferd Lohengrin

Ab und zu wurde sie noch gefragt, wie es ihr nach dem Sturz vom Pferd ginge, doch da zuckte sie nur mit den Schultern. Sie wollte nicht, dass jemand erfuhr, dass sie seit diesem Reitunfall Angst vorm Reiten hat.

Keinesfalls wollte sie als Feigling dastehen, deshalb schwieg sie eisern. Doch das zu einem hohen Preis. Die Freude an den gemeinsamen Ausritten schwand und es kostete immer mehr Überwindung, überhaupt noch zum Pferd zu fahren.  

Doch woher kommt die Angst und warum heilt sie nicht genauso innerhalb weniger Wochen, wie die Prellungen? 

Und warum spricht kaum jemand über seine Angst nach einem Sturz vom Pferd oder seine Angst beim Reiten die Kontrolle zu verlieren?

Wenn die Angst zum Gegner wird

Jeder Mensch hat vor irgendetwas Angst, weil dieses Gefühl ein Teil unserer natürlichen Gefühlspalette ist. Angst hat viele Gesichter, oder besser sie trägt viele Masken.

Ein Mensch verliert die Kontrolle über das Pferd

Häufige Ängste sind, die Angst vor: 

  • Kontrollverlust
  • Unbekanntem
  • Versagensängste
  • Angst vor Höhe etc.
  • soziale Ängste (Ablehnung durch andere, Angst sich zu blamieren)

Meist ist es jedoch weitgehend unerheblich, wovor man sich genau fürchtet, die Auswirkungen bleiben dieselben. 

Wenn die Angst zum Gegner wird, beeinträchtigt sie die Lebensqualität, weil sie einen Rahmen, also Grenzen, vorgibt, innerhalb deren man sich (noch) relativ sicher fühlt. In unserem Angstspeicher haben wir häufig schon einige Angsterfahrungen angesammelt, und wenn eine triggernde Situation mit einem inneren Bild aus dem Speicher übereinstimmt, löst das ein tiefes, häufig überproportionales, Angstgefühl aus, welches an Intensität immer mehr zunimmt. 

Es gibt da nur ein Problem: dieser Rahmen, also der Spielraum, den man zur Verfügung hat, wird mit der Zeit immer kleiner.

Das Selbstvertrauen schwindet, irgendwann wird das, was eigentlich Spaß machen sollte, zum Spießrutenlauf und zu einer Qual. 

Doch wie und wo entsteht das Angstgefühl?

Zuerst einmal vorweg: Die Angst beim Reiten aber auch die Angst beim Umgang mit dem Pferd ist ein Thema, das mehr Pferdemenschen beschäftigt, als wir denken.  

Doch wer gibt das schon gerne zu? 

Manchmal sind uns die Ängste nicht einmal bewusst, weil sie nicht gleich an die Oberfläche kommen, zu diesem Zeitpunkt laufen sie noch im Unterbewusstsein ab. Die Ursachen dafür sind vielfältig und können bis in die eigene Kindheit zurückreichen.

Angst betrifft Reiter jeder Sparte, vom Freizeitreiter bis zum Turnierreiter und auch Berufsreiter bleiben nicht vor ihr verschont, unabhängig von Können, Qualifikation oder Erfahrungsschatz. Die Angst ist auch nicht immer direkt mit dem Pferd verbunden, es ist manchmal nur der Auslöser, und bringt Themen, die wir schon lange mit uns herumtragen, ans Tageslicht.

Jeder empfindet seine Angst in verschiedenen Situationen unterschiedlich stark.

Über die Angst

Angst ist ein chemischer Prozess, der im Körper stattfindet. Sie versetzt den Körper in Alarmbereitschaft. 

Sie bereitet ihn auf:

  • einen Kampf, oder, wenn dieser aussichtslos erscheint,
  • eine Flucht vor, oder
  • initiiert einen Totstellreflex.

Das bedeutet unser Gehirn sendet Signale aus, die körperliche Reaktionen zum Selbstschutz zur Folge haben.

Manchmal sind uns die Ängste nicht einmal bewusst, weil sie nicht gleich an die Oberfläche kommen, zu diesem Zeitpunkt laufen sie noch im Unterbewusstsein ab. Die Ursachen dafür sind vielfältig und können bis in die eigene Kindheit zurückreichen.

Am Anfang steht die Sinneswahrnehmung.

Wir hören, sehen, spüren, riechen oder schmecken etwas. Diese Wahrnehmung wird an das Gehirn weitergeleitet. Die Großhirnrinde interpretiert die Reize aufgrund vorangegangener Erfahrungen.

  

 

Die 5 Sinne des Menschen, Trigger für die Angst

 Stuft es die Wahrnehmung als gefährlich ein, wird das limbische System aktiv, welches für unsere Gefühle zuständig ist.

Spezielle Bereiche des limbischen Systems, der Hippocampus und die Amygdala, auch als Mandelkern bezeichnet, veranlassen den Hypothalamus, die entsprechenden körperlichen Reaktionen einzuleiten.


   

Dann bemerken wir körperliche Symptome wie:  

  • trockenen Mund 
  • Schwindel
  • Übelkeit 
  • Konzentrationsschwierigkeiten 
  • Atembeklemmung
  • Schwitzen
  • Herzrasen
  • weiche Knie
  • Kribbeln
  • Blackout, etc


   

Wir speichern vor allem jene Situationen besonders gut und langfristig in unserem System, die uns in irgendeiner Weise geschadet haben oder potenziell gefährlich waren.

Das ist auch sinnvoll, denn ohne diesen Mechanismus hätten unsere Vorfahren vermutlich nicht überlebt. Das bedeutet, dass wir für eine traumatisierende Erfahrung, die sich im Hirn abgespeichert hat, ganz viele ähnliche positive Erfahrungen machen müssen, um diese zu überschreiben.

Angst gehört zu den menschlichen Grundgefühlen genauso wie Freude, Liebe, Wut oder Trauer. Unsere Gefühle sind unsere Werkzeugkiste, die uns helfen unser Leben erfolgreich zu meistern.

Jedes Gefühl hat eine Aufgabe, keines davon ist unnötig!

Unsere Werkzeugkiste für ein gelingendes Leben: 

  • Wut (wenn man es schafft sie konstruktiv zu nutzen) hilft uns Veränderungen herbeizuführen, sie ist eine sehr starke Kraft, die viel Feuer in sich trägt. 
  • Trauer hilft uns Abschied zu nehmen und mit einer Situation bzw Erfahrung endgültig abzuschließen
  • Angst macht uns wach und präsent, weil wir vor einer herausfordernden Situation stehen, deren Ausgang wir nicht kennen
  • Scham richtet unseren Blick nach innen, um das eigene Verhalten zu reflektieren und mit den gesellschaftlichen Werten abzugleichen, da wir nur in Gemeinschaft überlebensfähig sind
Vier gezeichnete Frauen. Eine Frau ist wütend, eine ist traurig, die andere hat Angst und die vierte schämt sich.

Jedes Gefühl hat seine Berechtigung, und ist wichtig!

So auch die Angst! Sie schützt uns vor lebensbedrohlichen Situationen, da wir uns sonst leichtfertig in Situationen begeben würden, die uns gefährlich werden könnten.  

Gefühle sind “nur” Gäste 

Gefühle sind auf der Durchreise, sie bleiben nicht für immer.

Deine Angst vorm Pferd will gesehen werden

Manche Gäste sind angenehme Zeitgenossen und du genießt ihre Gesellschaft, diese Gäste tragen Namen wie zB. Freude oder Dankbarkeit.

Und dann gibt es die anstrengenden Weggefährten, wie die Wut, die Trauer, die Scham und die Angst. Doch auch diese sind da, um dich zu unterstützen, auch wenn es sich oft nicht so anfühlt.  

Jeder deiner Gäste braucht deine Aufmerksamkeit und deine Zuwendung, erst wenn sie genug Zeit und Aufmerksamkeit bekommen haben, ziehen sie weiter.

Sit with it!

Das bedeutet, du musst ihnen einen (zeitlichen) Raum geben, dich mit ihnen an einen Tisch setzen, ihnen zuhören und sie einfach da sein lassen. Wenn das Gefühl seine Arbeit getan hat, kann es sein, dass es auch von alleine verschwindet.

Das ist eine gesunde Form mit Gefühlen umzugehen! 

Im besten Fall werden die Ängste dann der Situation entsprechend in einem sinnvollen Maß hochkommen, und du kommst gut mit ihnen klar!

Angst beim Reiten, was tun?

Wenn du also wiederkehrend mit Ängsten kämpfst, die im Verhältnis zur angstauslösenden Situation überproportional stark sind, und daher (in dem Ausmaß oder nahezu gänzlich) unbegründet sind, gilt es, sich auf den Weg zu machen, um die irrationalen Ängste aufzulösen.

Allgemeine Tipps, um dein Angstgefühl zu reduzieren:

Hast du große Angst vor einem Sturz,

dann buche dir ein Falltraining (dazu findet man auch Videos auf social media). Dabei lernst du, dich bei einem Sturz abzurollen, und minimierst die Verletzungsgefahr drastisch. So kannst du effektiv deine Angst verringern 

Suche dir einen Reittrainer,

der deine Ängste ernst nimmt, und nicht ins Lächerliche zieht, sondern mit dir Lösungswege erarbeitet, anstatt dir Druck zu machen.

Hast du Angst vor einem Sprung über ein Hindernis,

oder vor einer bestimmten Ecke in der Reithalle, dann übe in ganz KLEINEN Schritten dich deinen Zielen zu nähern, und nimm dir ausreichend Zeit dafür! 

Mangelt es an Vertrauen zu deinem Pferd,

erarbeite dir mit deinem Pferd in der Bodenarbeit eine solide Kommunikationsbasis, das stärkt euer beiderseitiges Vertrauen zueinander  

Bestrafe dein Pferd nicht, wenn es Angst zeigt,

und dasselbe gilt auch für dich (und deinen inneren Kritiker!) Gehe mit dir und deinem Pferd sanftmütig aber bestimmt um, keiner hat sich die Angst freiwillig ausgesucht! Wahre Stärke kann sich Güte leisten

Je nach Intensität und Häufigkeit der Ängste, kannst du es alleine versuchen, oder dich auf deinem Weg angstfrei zu reiten, unterstützen lassen! 

Es gibt nur einen Weg die Angst zu besiegen und der führt mitten durch!

Durch eine Angst durchzugehen, vor allem wenn sie sehr groß ist, braucht es Mut, Geduld, eine klare Anleitung und die Bereitschaft, dich immer wieder dieser Angst zu stellen. Wenn du oft genug durch sie hindurchgegangen bist und immer wieder die positive Erfahrung gemacht hast, dass alles gut gegangen ist, wird sich die Angst Schritt für Schritt auflösen.  

Insa Schülzke (zertifizierter Mentalcoach mit Spezialisierung auf Angstreiter), zeigt dir den Weg zu einem angstfreien Reiterleben

Insa Schülzke spricht im Kurs "Endlich Angstfrei Reiten" umfassend über das Thema Angst, sowohl die eigene als auch die des Pferdes. Sie zeigt spezifische Übungen, um die Angst des Pferdes zu lösen, und um die eigene Angst zu überwinden.

Ein weiterer zentraler Punkt, den Insa Schülzke lehrt, ist das Thema Vertrauen. Ein gegenseitiges Vertrauen ist entscheidend, damit sich sowohl Reiter als auch Pferd miteinander wohlfühlen.

Mein Verstand bringt mich um den Verstand

Dein Verstand ist ein Fantast, der auf Knopfdruck alles herbeizaubern kann!

Wenn du ihm keinen Einhalt gebietest, sitzt du sehr schnell im Kinosaal deines Kopfkinos  – mit allen erdenklichen Horrorszenarien inklusive! Und das führt dich direkt in einen Angstkreislauf! Glaub nicht alles, was du denkst! 

Kühlen Kopf zu bewahren ist Übungssache!

Wahrscheinlich fragst du dich, ob du es jemals schaffen kannst, vom ängstlichen Reiter zu einem entspannten Reiter zu werden. 

Fakt ist:  Ängste kann man gut in den Griff bekommen und sogar auflösen!

Viele ehemalige Angstreiter können bestätigen, dass es sehr effektive Wege gibt, aus der Angst auszusteigen. Die Erfahrung zeigt, dass jene die sich Unterstützung geholt haben, bereits nach kurzer Zeit überraschende Erfolge erzielen konnten! 

Claudia

Claudia traute sich nach einem schweren Reitunfall nicht mehr auf ihr Pferd aufzusteigen.

Ein paar Selbstcoachingübungen aus Insas Repertoire, um endlich wieder angstfrei reiten zu können:

Rückwärtszählen

Bist du mit deinem Pferd unterwegs und gerätst in eine Situation, die dir Angst macht, probiere in 7er Schritten von Hundert rückwärtszuzählen.

Singen oder Summen

singe oder summe ein Kinderlied, dass du schon als Kind mochtest

Lächeln oder lachen

lächeln (das signalisiert deinem Körper durch Anspannung der Lachmuskeln im Gesicht, dass alles in Ordnung ist) 

Klopftechnik

klopfe deine Thymusdrüse (mind. 10-12 mal, wirkt beruhigend bei emotionalem Stress) sie liegt hinter dem Brustbein (übe das zuhause vorher einmal)

Neben weiteren Selbstcoachingübungen, sowie die Anwendung von Maßnahmen aus der Traumatherapie, zeigt dir Insa Schülzke, wie du Schritt für Schritt deine Angst besiegst, und nach dem “Endlich Angstfrei Reiten” Kurs, die Zeit mit deinem Pferd wieder entspannt genießen kannst!

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